3. Juni 2024

Green Bonds werden zum Standard

Gastbeitrag im Fachmagazin portfolio institutionell

Green Bonds – respektive alle Arten nachhaltiger Anleiheemissionen – sind auf dem besten Weg, zum neuen Emissionsstandard in Europa zu werden. Auf den ersten Blick besteht hier noch ein Widerspruch: Während es für Investoren zunehmend gute Gründe gibt, in nachhaltige Anleihen (akzeptabler Bonität) zu investieren, fragen sich viele Emittenten immer noch, warum sie den höheren Aufwand einer nachhaltigen Anleihe betreiben sollen. Oft gehört: Der Kommunikationsaufwand einer nachhaltigen Emission sei zu hoch und Vorteile im Pricing seien unklar. Zumindest letzteres Argument wird gestützt durch eine aktuelle Analyse der TU Darmstadt. War früher, auch bedingt durch Angebotsknappheiten, ein sogenanntes „Greenium“ für Sustainability Bonds nachweisbar, werden die Pricing-­Unterschiede jüngst – bei wachsendem Angebot nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten – wieder kleiner.

Daraus sollten Emittenten aber nicht schließen, dass es nicht notwendig wäre, den Markt über die eigene Nachhaltigkeit oder die ESG-Merkmale eines Finanzinstruments zu informieren. Nach Meinung vieler Marktteilnehmer ist vielmehr zu erwarten, dass künftig das Fehlen von ESG-Informationen sanktioniert werden wird! Das Vorliegen bestimmter ESG-Merkmale wird für viele Investoren zu einer notwendigen Voraussetzung, sich überhaupt erst mit einer Anleiheemission zu befassen. Hier greift im Übrigen die Grundidee der oft gescholtenen EU-Regulierung zu ESG-Themen: Transparenzanforderungen auf der Investorenseite führen zwangsläufig zu höheren Transparenzpflichten und -aktivitäten seitens der Emittenten. Europäische Anleger können es sich schlichtweg nicht mehr erlauben, „ESG-blind“ in Anleihen zu investieren. Ein fundiertes und transparentes ESG-Reporting seitens des Emittenten wird auf diesem Wege künftig quasi zur Eintrittskarte für den Kapitalmarkt der Zukunft.

Auch ohne kurzfristiges Pricing-Incentive lohnt es sich daher für Emittenten, hier frühzeitig die Weichen zu stellen und ihren Beitrag zur notwendigen nachhaltigen Transformation der europäischen Wirtschaft auch gegenüber Investoren deutlich zu machen. Hilfestellung kann hierbei unter anderem die wachsende Zahl an Finanzvermittlern und Banken leisten, die ihr Knowhow und ihre ESG-Beratungskapazitäten systematisch ausbauen, und auch Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie imug rating (EthiFinance), ISS ESG oder Sustainalytics können mit objektiven externen ESG-Ratings oder Second Party Opinions zu einer glaubwürdigen nachhaltigen Kapitalmarktkommunikation beitragen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im portfolio institutionell (Mai 2024).

Axel Wilhelm

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