1. Februar 2018

Wie Nachhaltigkeit bei Sachwerten Nutzen stiftet

Gastbeitrag im Fachmagazin portfolio institutionell

Auf dem Weg zu den 100 Prozent

Nachhaltiges Investment und das begleitende Research haben sich in den vergangenen 30 Jahren in erster Linie auf die Anlageklassen Aktien und ‚Äď mit Verz√∂gerung ‚Äď b√∂rsennotierte Anleihen konzentriert. Auch 2018 stehen als nachhaltig oder eben auch nicht nachhaltig klassifizierte Unternehmen im Mittelpunkt der √∂ffentlichen Aufmerksamkeit. Gleichzeitig hat sich mit den vielf√§ltigen Anlagem√∂glichkeiten in erneuerbare Energien seit langem ein nachhaltiges Investmentsegment gebildet, das zunehmend auch f√ľr institutionelle Anleger interessant geworden ist.

Weil erneuerbare Energien per se als nachhaltig gelten, aber auch weil die Vielfalt der entsprechenden ‚Äď in der Regel nicht b√∂rsennotierten ‚Äď Investmentvehikel einen √úberblick erschwerte, stand dieses Thema eher weniger im Fokus so genannter nachhaltiger Anlagepolitiken und Bewertungen. Das ist am Rande vermerkt insofern erstaunlich, als dass beispielsweise deutsche Versicherer in praxi ein Vielfaches mehr in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie als in nachhaltige Aktienmandate investiert haben. In letzter Zeit entwickeln nun aber insbesondere ‚Äěfortgeschrittene‚Äú nachhaltige Investoren einen systematischen verantwortlichen Investment-Ansatz, der alle Anlageklassen umfasst und somit auch Umwelt- und Sozialaspekte verschiedener Formen von Sachanlagen adressiert. Gleichzeitig erfahren nachhaltige Sachwerte derzeit massive Unterst√ľtzung durch den Siegeszug sogenannter Green Bonds, die ja zu einem gro√üen Teil erneuerbare Energien-Infrastruktur aber auch Immobilienprojekte finanzieren.

W√§hrend die Immobilienbranche in den vergangenen zehn Jahren bereits eine Vielzahl von eigenen Bewertungssystemen und auch Labeln zur Klassifizierung nachhaltiger Geb√§ude entwickelt hat, steht diese √úbung f√ľr andere Sachwerte noch an. Hier sind derzeit noch eigene Ans√§tze zu ESG-Risikoanalysen und -Chancenbewertungen seitens der Investorenschaft gefragt ‚Äď parallel bauen aber auch Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie beispielsweise imug rating und Vigeo Eiris ihr Leistungsangebot auf neue Anlageklassen aus. Hier erfolgt dann wahlweise eine Orientierung an bestehenden Rating-Methoden, so zum Beispiel bei Private-Equity-Investitionen, aber auch bereits an den Zielsetzungen der Sustainable Development Goals, SDGs. So lassen sich insbesondere einzelne Infrastruktur-Projekte zum einen nach ihrer inh√§renten Wirkung auf bestimmte Nachhaltigkeitsziele kategorisieren, zum anderen wird betrachtet, wie nachhaltig ein Unterfangen und seine Auswirkungen vom Projektierer gemanaged werden (Impact Management). Mit diesem neuen Instrumentarium sind verantwortliche Investoren auf dem besten Wege, erstmalig tats√§chlich die vollen 100 Prozent ihrer Kapitalanlage-Portfolien einer ESG-Risikoanalyse und einer abgestimmten nachhaltigen Betrachtung zu unterziehen.


Dieser Beitrag erschien zuerst in der Rubrik „Wie Nachhaltigkeit bei Sachwerten Nutzen stiftet“ der portfolio institutionell (Ausgabe 02/2018).

Axel Wilhelm

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